5 Fakten zum diabetischen Fußsyndrom (DFS)
Das diabetische Fußsyndrom ist eine häufige und schwere Komplikation bei Diabetes mellitus und erfordert eine spezialisierte Versorgung. Die Expertise von Pflegekräften, medizinischen Fachangestellten (MFA) mit einem Schwerpunkt in der Wundpflege und Mediziner:innen ist essenziell, um chronische Wunden adäquat zu behandeln, Amputationen zu vermeiden und die Lebensqualität von Betroffenen zu verbessern.
Lesen Sie in diesem Artikel die wichtigsten Fakten zum diabetischen Fußsyndrom (DFS), einschließlich der Empfehlungen der 2023 aktualisierten Leitlinie der IWGDF.[1]
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Diabetisches Fußsyndrom – die Ursachen
Das diabetische Fußsyndrom, umgangssprachlich auch diabetischer Fuß genannt, ist eine Spätfolge eines über lange Zeit erhöhten Blutzuckerspiegels beim Diabetes mellitus. Dieser schädigt Nerven und Gefäße. Bei einer peripheren Neuropathie ist die Sensibilität des Fußes gestört, was neben Haut- und Nagelproblemen zu abnehmender Muskelkraft in den Füßen, geringerer Stabilität und schlechterem Gleichgewicht führt und das Gehen erschwert.
In der Folge treten Druckbelastungen an ungewohnten Stellen auf, die mechanische Belastung ist erhöht und es entsteht eine Druckstelle bzw. Hautläsion. Sind die Gefäße verengt, kann eine periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) die Entstehung einer diabetischen Fußulzeration (DFU) begünstigen. Durch die schlechtere Durchblutung ist die Wundheilung verzögert.
Auf diese Weise entstehen jährlich etwa 250.000 diabetische Fußulzera, von denen ungefähr 13.000 in einer Amputation münden.[2] -
Symptome im Frühstadium eines DSF
Wichtige Anzeichen, die auf die Entstehung eines DFS hinweisen können, sind ein vermindertes Gefühlsempfinden am Fuß. Berichten Patient:innen von schlechter heilenden Wunden sollten die Alarmglocken schrillen. Auch Formveränderungen des Fußes, Schwellungen oder Rötungen sollten frühzeitig ernst genommen werden. Weitere Anzeichen sind zunehmend trockene Haut, Taubheit oder Kribbeln in den Füßen, aber auch eine erhöhte Berührungsempfindlichkeit und Schmerzen. -
Prophylaxe des DFS
Viele Menschen mit Diabetes wissen nicht, dass bei ihnen das Risiko für das diabetische Fußsyndrom erhöht ist. Die Aufklärung der Patient:innen ist daher ein wichtiger Aspekt in der Vorbeugung. Von Pflegekräften, MFAs und behandelnden Ärzt:innen sollten die Füße regelmäßig untersucht werden.
Die Leitlinie empfiehlt bei Personen mit niedrigem DFS-Risiko jährlich eine gründliche Untersuchung. Kommen Risikofaktoren hinzu, z. B. eine Neuropathie, erhöht sich die Untersuchungsfrequenz auf einmal im halben Jahr bis einmal monatlich.[1]
Die Abschätzung des DFS-Risikos kann anhand der SINBAD-[3], DIAFORA-[4] oder WIfI-[5] Klassifikationen bestimmt werden. Ein gut eingestellter Blutzucker trägt ebenfalls zur Vorbeugung bei. -
Therapie und Wundbehandlung beim DFS
Hat sich eine diabetische Fußulzeration entwickelt, müssen Wunden möglichst frühzeitig und angemessen behandelt werden, um Wundinfektionen, Chronifizierung und weitere Komplikationen bis hin zur Amputation zu verhindern.
Diabetisches Fußsyndrom (Foto: Daniel Baum, Convatec)
Die lokale Wundbehandlung sollte sich am Konzept der Wundhygiene orientieren.
1. Spülung und Reinigung der Wunde
2. Débridement zur Entfernung von nekrotischem Gewebe, Belägen und Biofilm
3. Wundrandbehandlung, um das Voranschreiten der Epithelisierung zu unterstützen
4. Auswahl des passenden Wundverbands für die jeweilige Wundsituation
Abhängig von Art und Schwere der Wunde sind die Schritte unterschiedlich umfangreich. Vom Applizieren spezieller Wundauflagen über Antibiotikagabe bei Infektionen bis hin zu chirurgischen Maßnahmen ist alles möglich und wird für jede:n Patient:in individuell entschieden. Die Wundheilung soll regelmäßig kontrolliert werden, um auftretende Komplikationen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
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Bedeutung der Patientenadhärenz
Patient:innen frühzeitig für das grundsätzliche Risiko von Fußproblemen bei Diabetes zu sensibilisieren, ist eine wichtige Maßnahme zur Vorbeugung. Daher kommt der Schulung des Patienten und seiner Bezugspersonen eine wichtige Schlüsselrolle zu. Ändert sich das Risiko für eine Fußwunde aufgrund fortschreitender Schädigungen der Nerven oder Gefäße, sollten die jeweils wichtigen Maßnahmen vermittelt werden. Dazu gehören Informationen über Fußpflege, die eigene Begutachtung der Füße, Wahl geeigneter Schuhe und Einlagen sowie die Blutzuckerkontrolle.
Mehr über das Thema „Adhärenz als Schlüssel zur Wundheilung“ lesen Sie hier.
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Quellen:
[1] https://iwgdfguidelines.org/guidelines-2023/
[2]Rümenapf G, Morbach S, Rother U, Uhl C, Görtz H, Böckler D, Behrendt CA, Hochlenert D, Engels G, Sigl M; Kommission PAVK und Diabetisches Fußsyndrom der DGG e. V. Diabetisches Fußsyndrom – Teil 1: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Klassifikation [Diabetic foot syndrome-Part 1: Definition, pathophysiology, diagnostics and classification]. Chirurg. 2021 Jan;92(1):81-94. German. doi: 10.1007/s00104-020-01301-9
[3] SINBAD: https://diabetesjournals.org/care/article/31/5/964/29972/Use-of-the-SINBAD-Classification-System-and-Score
[4] DIAFORA: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/dmrr.2785
[5] WIfI: http://www.iwgdfguidelines.org/wp-content/uploads/2019/05/07-IWGDF-classification-guideline-2019.pdf
(SC-64600-DEU-DEU-v1)
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